Über Melanotan I (Afamelanotid)
Melanotan I, Wirkstoffname Afamelanotid, ist ein Analogon des körpereigenen α-MSH – des Hormons, das die Pigmentbildung steuert. Es bindet selektiv am Melanocortin-1-Rezeptor der Melanozyten und veranlasst diese, Eumelanin zu bilden: das dunkle, UV-absorbierende Pigment. Entscheidend ist, dass dieser Weg unabhängig von UV-Strahlung funktioniert – normalerweise ist ein UV-Reiz und damit eine DNA-Schädigung der Auslöser der Bräunung. Der Unterschied zu Melanotan II liegt in der Selektivität: Melanotan I ist eine lineare Kette und bedient im Wesentlichen nur MC1R, während das cyclisierte Melanotan II zusätzlich MC3R und MC4R im Gehirn anspricht – daher dessen Nebeneffekte auf Libido und Übelkeit.
Was in Studien beobachtet wurde: Afamelanotid ist als Scenesse zugelassen, in der EU seit 2014 und in den USA seit 2019 – zur Behandlung der erythropoetischen Protoporphyrie, einer seltenen Erkrankung, bei der Betroffene bereits nach Minuten in der Sonne starke Schmerzen entwickeln. In den Zulassungsstudien verlängerte sich die schmerzfrei im Tageslicht verbrachte Zeit signifikant gegenüber Placebo. Verabreicht wird es dort als Implantat unter die Haut, nicht als Injektion. Häufigste unerwünschte Wirkungen waren Übelkeit, Kopfschmerz und Reaktionen an der Implantatstelle. Für die Anwendung zur kosmetischen Bräunung existieren keine Zulassungsstudien.







