Über Melanotan II
Melanotan II ist ein cyclisches Heptapeptid und ein Analogon des körpereigenen α-MSH. Der Ringschluss macht es stabiler und potenter als Melanotan I – kostet aber die Selektivität. Während Melanotan I im Wesentlichen nur den MC1R der Melanozyten bedient und dort die Bildung von dunklem Eumelanin anstößt, spricht Melanotan II zusätzlich MC3R und MC4R im Gehirn an. Aus diesem zweiten Angriffspunkt stammen die bekannten Begleiteffekte: Übelkeit, Appetitminderung und Effekte auf die sexuelle Erregung. Aus letzterer Beobachtung ging überhaupt erst PT-141 hervor, das beim Abbau von Melanotan II entsteht und gezielt auf diesen Weg hin weiterentwickelt wurde.
Was in Studien beobachtet wurde: Melanotan II hat nie eine Zulassung erhalten und ist in keinem Land als Arzneimittel verfügbar; die klinische Entwicklung wurde eingestellt. Frühe kleine Studien belegten die pigmentsteigernde Wirkung und dokumentierten zugleich Übelkeit, Gesichtsrötung und Spontanerektionen als regelmäßige Begleiterscheinungen. Aus der Anwendung außerhalb kontrollierter Studien liegen zahlreiche publizierte Einzelfallberichte vor: rasches Nachdunkeln und Größenzunahme bestehender Muttermale, in mehreren Fällen die Diagnose eines Melanoms im zeitlichen Zusammenhang, sowie Fälle von Priapismus und Rhabdomyolyse. Ein ursächlicher Zusammenhang ist bei Einzelfallberichten nicht bewiesen, die Häufung wird in der dermatologischen Literatur jedoch ausdrücklich diskutiert.






