Über Cerebrolysin
Cerebrolysin ist kein einzelnes Peptid, sondern ein standardisiertes Gemisch: Aus Schweinehirngewebe werden die Proteine enzymatisch zerlegt, bis nur noch kurze Peptide unter 10 Kilodalton und freie Aminosäuren übrig sind – klein genug, um die Blut-Hirn-Schranke zu passieren. Der Gedanke dahinter ist, die Wirkung körpereigener neurotropher Faktoren wie BDNF und GDNF nachzubilden. Das sind die Signalstoffe, mit denen Nervenzellen einander am Leben halten und zur Bildung neuer Verbindungen anregen. In Zellmodellen schützt Cerebrolysin Neurone vor dem Absterben nach Sauerstoffmangel und fördert das Auswachsen von Fortsätzen.
Was in Studien beobachtet wurde: Cerebrolysin ist in mehreren Ländern Europas und Asiens als Arzneimittel zugelassen und wurde in dutzenden kontrollierten Studien geprüft – die Ergebnisse sind uneinheitlich. Meta-Analysen zur Erholung nach ischämischem Schlaganfall fanden in einigen Auswertungen bessere motorische und funktionelle Werte, während breit angelegte systematische Reviews keinen belastbaren Nutzen auf harte Endpunkte wie Sterblichkeit oder Pflegebedürftigkeit belegen konnten. Bei Alzheimer und vaskulärer Demenz zeigten Studien überwiegend geringe Verbesserungen in kognitiven Testscores. Die Substanz gehört damit zu den am häufigsten untersuchten Neuropeptid-Präparaten – und zu den umstrittensten.



